Bitte beachtet, dass es sich bei unseren Beiträgen nicht um offizielle NA-Literatur handelt, sondern die Artikel nur die persönliche Meinung und Erfahrungen der NA-Mitglieder widerspiegeln, welche die Artikel schreiben.
Und wenn wir auf Ersatzdrogen umsteigen, es kommt zu einem Rückfall in unsere alte Abhängigkeit!
Ich bin A. und süchtig. Ich bin schon ein paar Tage im Programm und erinnere mich gerne an eine meiner wichtigsten Erfahrungen in Genesung. Ich möchte euch heute davon berichten. Als Süchtige, die anfänglich im Programm war, sog ich alles auf, was ich an den Tischen, davor und danach hörte. Natürlich plapperte ich artig die Floskeln nach. Ich wollte schließlich dazu gehören. Unter anderem fiel mir auf, dass oft der Satz fiel, wenn einer über seine Sexsucht oder über seine Esssucht teilte… „Die sollen doch zu SLAA oder OA gehen. Wir sind hier bei NA. Dem sein Sex/Essproblem interessiert hier nicht“.
Schnell sprang ich auf den Zug auf und kopierte natürlich auch diese Floskeln, jung und unerfahren wie ich eben war. Die Jahre zogen ins Land und ich hielt an diesen verurteilenden und lieblosen Sätzen fest. Ich war lange von diesen Äußerungen überzeugt, obgleich ich keinerlei Erfahrungen dazu gemacht hatte. Natürlich verschonte mich die Krankheit nicht, und als ich in meiner ersten NA Liebes- Drama-Kasperletheater Beziehung lebte, holte mich natürlich auch das Coda-SLAA Thema ein.
Natürlich teilte ich nicht im Meeting darüber, was ich so für Scheiße fabrizierte, weil ich ja nun nicht so da stehen wollte als sei ich ungenesen und so machte ich sehr viele unglückliche Situationen mit mir selbst aus. Ich litt, doch mein Stolz war zu groß. Ich fing an, Besessenheit meinem damaligen Partner gegenüber auszuleben, doch auch das traute ich mich nicht im Meeting und mit Freunden zu teilen, und so fing ich an mein eigenes Grab zu schaufeln. Umso tiefer ich in die Beziehung einstieg, desto schlimmer wurden die Filme. Ich lebte nicht nur Besessenheit und selbstkreierte Dramen. Es durfte natürlich auch nicht die Darstellung der perfekten Beziehung auf Social Media wie Facebook fehlen. So lebte ich zwischen Drama und heiler Welt. Die Achterbahn der Gefühle wurde immer heftiger und umso mehr Show ich machte, desto schlimmer fühlte ich mich.
Eines Tages dann geschah es…. Ich war mittlerweile schon einige Jahre im Programm, doch keine Schrittearbeit, kein Service dieser Welt und keine Sponsorschaft konnte es vermeiden. Die Unehrlichkeit war stärker und nach einem erneuten Konflikt in unserer Beziehung geschah etwas unerwartetes…. Ich stand auf … zog meine Schuhe an…. Nahm Schlüssel und Geld und ging los, um mir Stoff zu besorgen. Ich trank bis zur Besinnungslosigkeit. Als ich aus meinem Wahnsinn erwachte, war es zu spät. Ich hatte die Kontrolle verloren. Ich habe trotz jahrelanger NA Erfahrung alles beachtet, nur der Präambel hatte ich nicht richtig zugehört. Ich wurde rückfällig.
Ich nüchterte aus und durch die Hilfe eines NA Freundes konnte ich zurück an die Tische kommen. Ich saß plötzlich in diesem ersten Meeting nach diesem Rückfall und ich war auf einmal stocknüchtern. Es schlug in mein Schädel ein wie eine Bombe, als ich die Präambel hörte, und ich fing an zu weinen, denn ich habe verstanden, was es bedeutet wenn man auf Ersatzdrogen umsteigt. Ich saß in diesem Meeting und ich weinte. Es kam zu einem Rückfall in meine alte Abhängigkeit. Meine vielen Clean-Jahre waren weg. Sie waren der Preis für meine Überheblichkeit und für mein Mangel an Mitgefühl gegenüber anderen Süchtigen.
Es war eine wichtige Erfahrung in meinem Leben. Sie zeigte mir, dass ich nur durch Mitgefühl, Demut und das aktive Zuhören bei anderen Betroffenen persönlichen Schutz meiner Cleanzeit finden konnte. Doch das Wichtigste war die Erkenntnis, dass ich ohne Ehrlichkeit und Bereitschaft verloren sein würde, und dass die Illusion gut dastehen zu wollen bei NA nichts verloren hat, wenn man clean leben möchte.
Ich bin A., ich bin süchtig, und ich bin weiß Gott nicht perfekt, doch ich gebe mir jeden Tag die größte Mühe das Beste aus mir raus zu holen. Ich erzähle heute im Meeting nicht mehr wie toll alles ist… im Gegenteil, ich berichte über meine Themen, Probleme und über meine Tiefpunkte, egal welcher Art und manchmal fängt der ein oder andere an zu lachen, wenn ich teile, oder es wird genickt. Nicht um mich auszulachen, oh nein – sie lachen, weil sie es kennen. Das sind die Momente in denen ich mich verbunden fühle. In denen ich mich in NA zuhause fühle und in denen ich weiß, dass nicht nur ich diese Themen habe. Verlagerung auf Essen, Sex, Romanzen, Medien und was es noch so alles gibt kann auch deine Cleanzeit kosten. Ich darf das heute ernst nehmen und ich darf heute bei NA sein mit allem was ich habe – IMMER!
Danke fürs Lesen!



