Bitte beachtet, dass es sich bei unseren Beiträgen nicht um offizielle NA-Literatur handelt, sondern die Artikel nur die persönliche Meinung und Erfahrungen der NA-Mitglieder widerspiegeln, welche die Artikel schreiben.
Ich war schon lang clean. Über 15 Jahre. Ich hatte dank NA gelernt zu leben und zu lieben. Manchmal mühsam, manchmal schwer, aber es hat sich mehr als gelohnt. Und obendrein hatte ich meine große Liebe geheiratet und führte ein wirklich glückliches Leben. Ohne Suchtdruck.
Wir waren schon seit ca. 10 Jahren zusammen und seit 3 Jahren verheiratet. Doch sowas geht nicht ohne gelegentliche Schwierigkeiten. Wir taten das Richtige: Wir suchten uns Hilfe in Form einer Paartherapie. Wir hatten gerade mal 10 Sitzungen, aber die haben enorm geholfen. Die Paartherapie war in einer Stadt etwa 70km von unserem Wohnort entfernt.
Also. Alles gut. Aber auf einer der Rückfahrten kam es zum Streit. Ich weiß heute nicht mal mehr warum. Irgendetwas an ihr muss mir wohl missfallen haben. Jedenfalls wurde der Streit immer heftiger und heftiger. Bis hin zum Brüllen. Und irgendwann gab es nur noch einen einzigen Gedanken: Das mach ich nicht mehr länger mit. Sobald ich zuhause bin, geh ich direkt zur Tanke und hol mir ne Flasche Hochprozentigen. Das halte ich nicht mehr aus!
Gott sei Dank (das meine ich nicht als Spruch, sondern ganz wörtlich) hatten wir noch über 40km zu fahren, was mir Zeit zum Nachdenken ließ.
Und NA, das Programm und meine Erfahrungen haben gewirkt. Obwohl ich zunächst mit niemandem sprechen konnte, sprachen in mir die Freunde und Freundinnen, die ich in den Meetings gehört habe zu mir. Und mein Tagebuch. Meine höhere Macht. Und der Gedanke keimte auf: „Könnte ich das selbst provoziert haben“?
Tatsächlich wurde mir schnell klar: Ich wollte nicht deswegen trinken, weil ich die Situation nicht ertragen konnte, sondern ich ertrug die Situation nicht, weil ich trinken wollte. Ich selbst hatte mich derart in Rage geredet und gebrüllt, dass ich mich selbst in die Situation gebracht hatte, keinen Ausweg mehr zu haben, außer rückfällig zu werden. Das war nichts, was mir fremd war. Wie die meisten Süchtigen war mir gelegentlicher Suchtdruck bekannt. Und auch, mich in scheinbar ausweglose Situationen zu bringen.
Was aber an dieser Situation einzigartig war: All das geschah innerhalb von MINUTEN. Derart konzentrierten Irrsinn hatte ich vorher noch nicht erlebt.
Ich habe sie dann um Verzeihung gebeten. Und ihr alles erzählt, was in mir vorgegangen war. Wir hatten schon immer ein inniges Verhältnis. Ich tat das, was ich in Schritt 10 gelernt hatte.
Mir ist diese Situation daher so im Gedächtnis geblieben, weil sie mir gezeigt hat, dass ich niemals sicher bin vor ernstem Suchtverlangen. Dass das von jetzt auf gleich passieren kann.
Und dass mein beklopptes Hirn eingebildete Dramen produzieren kann, mit dem einzigen Ziel mich zurück zu Drogen zu zwingen.
Aber es ist mir auch deswegen in Erinnerung geblieben, weil ich dank meiner Erfahrungen da unbeschadet wieder rausgekommen bin. Weil mich meine Erfahrung, das Programm, meine höhere Macht, vor allem aber ihr mich gerettet habt. Denn in dieser Situation waren Eure Stimmen bei mir.



